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Der Reservist Möller diente von1908 bis 1910 in der Leib-Kompanie des Infanterie Regiment Nr. 116, (2. Großherzoglich Hessisches) in Giessen. Er ließ sich einen Krug herstellen, wie ich ihn noch nie gesehen habe, nämlich mit einem Fotobild von den Reservisten der Leibkompanie über die gesamte Breite des Kruges. Lediglich die zwei Namensleisten links und rechts des Henkels sind noch aufgebracht worden. Das Foto ist schon früher gemacht worden, denn rechts unten ist ein Schild mit der Aufschrift „Parole 235“ zu sehen. Also ungefähr 8 Monate vor der Entlassung bzw. nach 2/3 der Dienstzeit wurde dieses Foto aufgenommen. Es sind genau 43 Soldaten abgebildet, ohne Offiziere, und genau so viele Namen sind auch auf der Namensleiste enthalten. Im Vordergrund liegend sind in der Mitte die beiden Tamboure und daneben ebenfalls liegend die beiden Hornisten. Links und rechts aussen, sowie in der Mitte im Hintergrund sind drei Mann in voller Wachmontur mit Pickelhaube und schwarzem Haarbusch. Interessant ist auch bei diesem Krug, daß er einen preußischen Adler anstatt dem hessischen Löwen als Deckeldrücker trägt. Erst einmal würde man sagen, „nachgedeckelt“. Dies hätte ich früher auch gesagt, obwohl ich beim besten Willen keine typischen Merkmale späterer Montage entdecken kann. Dies alleine wäre ja noch keine Sicherheit, da es von einem Fachmann vor langer Zeit gemacht worden sein könnte. Die Patina der Jahre ist jedenfalls vorhanden und nicht nachträglich erzeugt worden. Da ich aber speziell Giessener Reservistenkrüge sammle und zwischenzeitlich 31 verschiedene 116er Exemplare mein eigen nenne, ist es nicht mehr so verwunderlich, da drei weitere Krüge den preußischen Adler zieren. Bei einem Krug ist es noch nachvollziehbar, der Inhaber diente im ersten Jahr im hessischen Giessen und im zweiten im preußischen Mainz bei der Garnisonsbäckerei. Bei den restlichen Krügen bleibt die Vermutung, daß die Besitzer aus den unmittelbar benachbarten preußischen Orten manchmal lieber den Adler wollten. Bei einem Krug kann ich nachvollziehen, daß der Besitzer aus dem preußischen Weilburg stammte. Dies weiß ich von der Aufstellung des Regiments- Jubileums von 1913, wo die Herkunft der Teilnehmer aufgelistet wurde.
Harald Busse
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